Südafrika – Erfahrungsbericht und Tipps

Südafrika – Erfahrungsbericht und Tipps

Genau 31 Tage haben wir in Südafrika verbracht. In dieser Zeit haben wir natürlich einiges erlebt und möchten euch mit diesem Beitrag einen kleinen Überblick, sowie Hintergrundinfos über das Land geben und euch außerdem unsere persönlichen Highlights vorstellen.

Geographische Lage und Klima

Südafrika ist das südlichste Land auf dem afrikanischen Kontinent. Durch seine Größe von knapp 1,2 Mio km² (fast 4 mal so groß wie Deutschland) herrschen in dem Land sehr unterschiedliche klimatische Bedingungen. Sie reichen von extremer Wüste im Norden des Landes bis zu subtropischen Wäldern im Südosten an der Grenze zu Mosambik. An den Küstenregionen, insbesondere im Süden herrscht überwiegend ein mildes Klima. Dadurch, dass Südafrika auf der Südhalbkugel liegt, herrschen hier “umgekehrte” Jahreszeiten. Dies bedeutet, dass dort während der europäischen Sommerzeit, Winter ist und umgekehrt. Wir waren im südafrikanischen Frühling unterwegs und hatten an der Küste nachts einstellige Temperaturen, tagsüber erreichte das Thermometer bis zu 30 Grad. Da immer eine frische Brise weht, kann es morgens und abends schnell relativ kühl werden und es ist daher empfehlenswert, immer einen warmen Pullover dabeizuhaben.
Im Landesinneren hingegen, kann es sehr warm und schwül werden, nachts kühlt es jedoch regelmäßig auf angenehme Temperaturen herab.

Wassermangel

Ein akutes Problem, mit dem Südafrika zu kämpfen hat, ist aufgrund einer inzwischen 3-jährigen Dürre der Wassermangel. Besonders die Küstenregionen im Süden, inklusive Kapstadt sind davon stark betroffen. Überall waren Schilder oder Aufkleber zu lesen, wo es darum ging, mitzuhelfen den “Day Zero” zu vermeiden. Day Zero steht für den errechneten Tag, wo die Wasserknappheit so hoch ist, dass die Wasserversorgung abgeschaltet wird und es kein fließend Wasser mehr gibt, sondern dieses nur noch rationiert an die Bewohner ausgegeben wird (25 Liter pro Person und Tag). Die Duschzeit war auf maximal 2 Minuten begrenzt und in Stellenbosch waren wir dazu angehalten, das Duschwasser in einem Behälter zu sammeln und damit die Toilette zu spülen. In 2018 wurde der Day Zero nicht erreicht und durch neuen Regen in den Wintermonaten bis auf weiteres verschoben.
Wie bereits in unserem Blogbeitrag für Tsitsikamma erwähnt, führt die große Trockenheit auch immer wieder zu massiven Waldbränden.
Doch positiv anzumerken ist, dass der Wasserverbrauch seit Beginn der Kampagne zum Day Zero um über 60% reduziert werden konnte. Dies macht deutlich, dass wir Menschen durchaus Verantwortung im Umgang mit den vorhandenen Ressourcen haben und dieser auch gerecht werden sollten.

Mentalität und Kultur

Die Südafrikaner sind ein freundliches und fröhliches Volk, aber halten gerne eine gesunde Distanz. Die Häuser der Wohlhabenden sind für gewöhnlich von hohen Mauern umgeben und an jeder Hauswand wird darauf hingewiesen, welches Sicherheitssystem installiert ist. Grade im Süden an der Küste herrschen europäische Verhältnisse und der Tourist wird gerne gesehen; wir wurden wirklich immer freundlich empfangen. Im Landesinneren, grade im Township waren wir absolute Exoten. Hier wurde man meist misstrauisch beäugt, aber freundlich war man trotzdem zu uns. Die Afrikaner in den Townships sind ziemlich laute und feierfreudige Zeitgenossen. Gefühlt kauft man sich bevorzugt den lautesten Lautsprecher den es auf dem Markt gibt und beschallt im Umkreis alles mit Musik. Ohne Musik geht dort wenig und Gründe zum Feiern gibt es immer. Auch die Kinder auf der Farm haben teilweise sehr viel Musik gehört und viel gesungen.

Apartheid

Ein Teil der südafrikanischen Geschichte ist die Apartheid, die organisierte Rassentrennung zwischen schwarzer und weißer Bevölkerung. Der Name Nelson Mandela ist sicherlich den meisten ein Begriff. Er war es, der 1994 als erster schwarzer Präsident die Apartheid abschaffte. Bis heute prägen die Folgen das Land. Die Spuren sind noch immer deutlich zu erkennen. Nach wie vor sind die Bevölkerungsgruppen unter sich und auch das Verhältnis von arm und reich ist oft an der Hautfarbe zu erkennen. Besonders aufgefallen ist uns dies in der Arbeitswelt, die körperlich arbeitsintensiven Jobs werden fast ausschließlich von Schwarzen ausgeführt, während die Weißen oft die Konsumenten sind. Wir haben überwiegend AirBnB genutzt und auch die Hausbesitzer waren ausschließlich Weiße. Ein weiteres Überbleibsel sind die Townships, die es im übrigen auch für Weiße gibt. Bis heute wohnen die Bevölkerungsschichten stark getrennt. Die Regierung war und ist sehr um Gleichheit bemüht und hat zB ein kompliziertes Scoresystem für Arbeitgeber eingeführt, durch welches insbesondere die schwarze oder farbige Bevölkerung bevorzugt eingestellt wird.

Dennoch meinen wir eine gewisse Unzufriedenheit mit der aktuellen Regierung wahrnehmen zu können. Schwierigkeiten bereiten immer wieder korrupte Politiker  und Personen, die das System ausnutzen und belasten. Die hohe Arbeitslosigkeit von über 26% trägt auch zur Unzufriedenheit bei. Bevor zB ein Ausländer eingestellt werden darf, muss nachgewiesen werden, dass kein verfügbarer Südafrikaner die entsprechende Qualifikation besitzt. Und genau an dieser scheitern oft die Vorgaben der Regierung. Die arme, meist schwarze Bevölkerung verfügt nicht über die entsprechende Bildung und Qualifikation. Die Schulen in den Townships haben oft eine sehr schlechte Qualität und massiven Lehrermangel. Schulklassen mit 40 Kindern auf eine Lehrkraft sind nicht selten. Insgesamt ist ein Anfang von Erfolgen zu sehen, aber es wird vermutlich noch Jahrzehnte brauchen, um von Gleichheit, oder besser Chancengleichheit sprechen zu können. Ein wichtiger Schritt ist die Bildung – und das Verständnis für selbige fängt bereits im Kindergarten an, siehe auch den Bericht zu Butterfly Change for Children.

Reisesicherheit

Im Vorfeld unserer Reise wurden wir immer wieder mit der Frage konfrontiert: Ist es nicht gefährlich, nach Südafrika zu reisen?
Für Elli war es die zweite Reise nach Südafrika, für mich das erste mal und wir können von keinerlei Zwischenfällen berichten. Selbst unser Aufenthalt in unmittelbarer Nähe eines Townships und auch das zeitweilige Besuchen desselbigens führte nicht dazu, dass wir uns unwohl oder unsicher fühlten.
Wir denken, dass man, wenn man einige elementare Dinge beachtet, die Wahrscheinlichkeit signifikant erhöhen kann, nicht Opfer eines Übergriffs zu werden. Zu unseren Grundregeln gehörte:

  • Im Auto nie sichtbar Gegenstände liegen lassen
  • Wertsachen nicht unnötig präsentieren um keine Begehrlichkeiten zu wecken (insbesondere Handys)
  • Autotüren während der Fahrt zu verriegeln
  • Vor Ort informieren, ob bestimmte Gegenden, evtl. zu bestimmten Tageszeiten, gemieden werden sollten um sich nicht unnötig etwaiger Gefahren auszusetzen.

Zusammenfassend können wir sagen, dass es in den meisten Fällen völlig ausreicht, den gesunden Menschenverstand und das Bauchgefühl einzusetzen um Gefahrensituationen im Vorfeld aus dem Wege zu gehen. Hat sich einer von uns aus irgendeinem Grund nicht wohlgefühlt sind wir einfach umgedreht und haben etwas anderes gemacht.

Zahlungsmittel und -verhalten

Die Währung ist der südafrikanische Rand und der Wechselkurs beträgt aktuell (Dezember 2018) 1:16,5. Ein Euro entspricht somit 16,5 ZAR.

Geldautomaten gibt es an jeder Ecke und Kreditkarten genießen eine hohe Akzeptanz. Wir hatten sowohl mit Mastercard, American Express als auch mit Visa keinerlei Probleme, diese einzusetzen. Wir empfehlen immer eine kleine Summe an Bargeld bei sich zu haben, da in Südafrika das Trinkgeld eine große Rolle spielt. So gibt es zum Beispiel (selbsternannte) Parkplatzeinweiser, die beim Ein- und Ausparken behilflich sind und während der Parkdauer ein Auge auf das Auto haben. Diese möchten dafür natürlich mit einem Trinkgeld entlohnt werden. Üblich sind je nach Parkdauer 2-5 ZAR. Da es oft das einzige Einkommen der Leute ist, empfehlen wir, dies auch zu tun, da es für uns umgerechnet ca. max. 30 Cent sind.

Tankstellen

Ungewohnt ist die Situation auch an südafrikanischen Tankstellen. Hier ist es nicht gewünscht oder gar möglich, selbst zu tanken. Man ist auf den Tankwart angewiesen. Dieser befüllt den Tank und erbringt je nach Lust und Laune weitere Serviceleistung wie z.B. das Reinigen der Front- und Heckscheiben oder auch die Kontrolle des Kühlwassers oder Ölstandes. Auch hier gibt man je nach Einsatz 2-5 ZAR. Der aktuelle (Dezember 2018) Benzinpreis beträgt umgerechnet rund 1 Euro / Liter.

Restaurants

In Restaurants gilt der übliche Trinkgeldsatz von 10%. Wir haben festgestellt, dass es oft günstiger ist, Essen zu gehen, als selber zu kochen, da die Preise für Lebensmittel ungefähr dem europäischen Niveau entsprechen, während die Restaurants deutlich drunter liegen. Ein gutes Steak gibt es zum Beispiel für weniger als 10 Euro. Insgesamt sind die Dienstleistungen verhältnismäßig günstig.

Unsere Strategie war es, möglichst viel per Kreditkarte zu bezahlen, um nachher einen besseren Überblick über die Ausgaben zu haben. Hier muss aber darauf geachtet werden, ob die eingesetzte Kreditkarte Auslandseinsatzgebühren erhebt, oder der Einsatz kostenfrei ist.

10 Dinge, die du unbedingt in Südafrika tun solltest

1. Den Tafelberg besteigen

Es gibt unterschiedliche Routen, wir haben uns für den Platteklip Gorge entschieden. Eine relativ steile Variante, aber mit unheimlich schöner Aussicht auf die Stadt. Der Einstieg befindet sich ca. einen halben Kilometer hinter der Cable Car Station, ist kostenlos und man kann direkt am Einstieg Parken. Runter sind wir mit dem Cable Car gefahren, dies hat uns 190 ZAR (ca. 11,50 Euro) gekostet. Achtet vor dem Aufstieg auf das Wetter, denn nichts ist trauriger als aufzusteigen und der Berg ist in eine Wolke gehüllt und man hat keine Aussicht, hilfreich ist die Internetseite des Tafelberges. Oben ist es recht windig und auch etwas kühler, nehmt am besten eine Jacke mit.

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2. Ein südafrikanischer Braai

Der Inbegriff Südafrikas. Ein Leben ohne Braai ist für den Ursüdafrikaner nicht vorstellbar. Im Prinzip ist es ein ausgedehntes Grillen. Besonders auf dem Land wird viel und gerne gebraait. Oft bieten es Hotels an abends ein Braai zu organisieren. Falls nicht, fahrt bei Peet vorbei, er und Jorika bereiten euch einen fantastischen Abend;-) Mehr über südafrikanisches Essen findest du hier.

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3. Eine Safari machen

Ein absolutes Muss, wenn man Südafrika besucht. Möglichkeiten gibt es viele. Wir kennen bislang nur den Addo Elephantpark, Pilanesberg und das Dinokeng Reservat. Für den Krüger Nationalpark hat die Zeit leider nicht gereicht. In allen dreien waren wir als Selbstfahrer unterwegs. Pilanesberg ist recht klein und man kommt in einem Tag recht gut durch. Man findet die Big Five dort und bis auf den Leoparden haben wir tatsächlich alle Tiere dort sehen können. Der Addo Elephantpark ist wie der Name schon sagt, ein Garant für Elefanten. Der Dinokeng ist recht weitläufig und daher ist es etwas schwieriger dort die Tiere zu finden, aber wir hatten Glück und haben eine Löwin erwischt. Die Eintrittspreise bewegen sich zwischen 7 und 20 Euro pro Person.

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4. Mit dem Mietwagen einmal um die Kaphalbinsel fahren

Am besten startet ihr zum Sonnenaufgang am Sunrise Beach, nach einem Frühstück im Viertel Surferscorner von Muizenberg geht es weiter zu Simons Town einer kleinen schnuckligen Stadt (haltet die Kamera bereit) wo ihr zur Eröffnung die ersten Touristen seid, die die Pinguine bestaunen. Im Anschluss fahrt ihr zum Kap der guten Hoffnung auch hier habt ihr um die Uhrzeit für gewöhnlich keine Schlange. Ab 10 wird es dort recht voll und man braucht um in den Park zu kommen teilweise 1 bis 2 h. Über den Cheapmanspeak geht es weiter (kleine Maut fällig). In Fishhoek könnt ihr nach einem guten Restaurant Ausschau halten und danach einen kleinen Mittagsschlaf am Strand von Camps Bay machen. Danach könnt ihr je nach Zeit und Lust einen Abstecher zum Dinner machen oder aber, ihr besorgt euch in einem der Supermärkte ein kleines Picknick und fahrt frühzeitig auf den Signal Hill und genießt dort den Sonnenuntergang.

5. Einen Sonnenuntergang am Sunset Beach erleben

Seid ihr etwas spät dran ist am Signal Hill sehr viel los und es ist besser zum Sunset Beach zu fahren und den Sonnenuntergang dort mit Blick auf den Tafelberg zu genießen. Einfach atemberaubend.

Sonnenuntergang am Sunset Beach


6. Straußenfleisch und Roosterkoekes probieren

Noch einmal müssen wir aufs Essen zurück kommen. Das Straußenfleisch ist in Südafrika besonders günstig und gilt als sehr gesund (siehe auch hier). Ein Straußensteak ist eine gute Alternative zu einem Rindsteak. Und auch Roosterkoekes (eine besondere Art, sind absolut empfehlenswert.

Roosterkoekes

Einfach lecker!

7. Einen Tag Surfen gehen

Südafrika und das Surfing sind untrennbar miteinander verbunden. Sowohl die Strände in Muizenberg als auch in Jeffreys Bay sind weltbekannt und ideal zum Surfen. Deshalb lautet unsere Empfehlung: Schnappt euch ein Board von einem der Surfstores und schwingt euch aufs Brett. Ich (Toli) habe in Jeffreys Bay (siehe Blogbeitrag) das Surfen für mich entdeckt und freue mich auf jeden weiteren Surfspot, der uns auf unserer Reise noch begegnen wird.

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8. Den Waterfall Trail im Tsitsikamma wandern

Der Nationalpark ist bekannt für seine Schönheit und Naturvielfalt. Das brisante Meer trifft hier auf die raue Küste und genau dieses lässt sich durch eine Wanderung auf intensive Art erleben. Der Waterfall Trail hat wie der Name schon sagt, einen Wasserfall als Ziel und führt über Wiesen, durch Wälder und anschließend über Felsen zum eigentlichen Ziel. Ein absolutes Highlight und unvergessliches Erlebnis. Unser Tsitsikamma-Erlebnis könnt ihr hier nachlesen.

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9. Einen Roadtrip durch die Karoo machen

Südafrika hat neben den Küsten noch viel mehr zu bieten. Die Weite und scheinbare Unendlichkeit der kleinen Karoo ist beeindruckend. Wir empfehlen dir, einen Mietwagen zu nehmen und etwas mehr ins Landesinnere zu fahren. Straßen, die bis zum Horizont führen, sengende Hitze und menschenleere Gegenden erwarten dich. Falls ihr mehr darüber erfahren wollt, lest unseren Blogbeitrag dazu

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10. Eine Weintour in Stellenbosch machen

Neben dem leckeren Essen hat das Land auch getränkemäßig einiges zu bieten. So ist die Region um Stellenbosch berühmt für äußerst guten Wein und wir empfehlen euch, eine der zahlreich angebotenen Weintouren in Anspruch zu nehmen um so mehr über den Wein, seinem Ursprung und der Herstellung zu erfahren. Ein Weintasting darf natürlich auch nicht fehlen, wo ihr einige der leckeren Sorten probieren könnt.

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Veröffentlicht am: 2. Januar 2019 von: Toli

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