San Andres – Karibik auf kolumbianisch

San Andres – Karibik auf kolumbianisch

In Bogotá haben wir nicht nur die Sprache der Kolumbianer gelernt, sondern auch viel über ihr Land. Unter anderem auch, dass Kolumbien eine Insel in der Karibik hat – San Andres. Von der Insel hatten wir noch nie etwas gehört und auch bei unserer Recherche ist sie uns nicht begegnet. Umso spannender klang für uns, was uns in der Sprachschule darüber berichtet wurde.

Karibik wir kommen

Kolumbien gehörte zu den Zielen, wo wir uns etwas treiben lassen wollten, daher hatten wir kaum etwas vor gebucht. Ursprünglich hatten wir überlegt Silvester in Cartagena zu verbringen, aber nachdem wir am Nachmittag das Internet durchforstet hatten, stand unsere Entscheidung fest. Alles was wir über San Andres lasen klang einfach fantastisch und das beste, die Flüge waren super günstig. Bogotá hatte uns echt geschlaucht und wir sehnten uns nach Wärme und Erholung. Also, noch schnell eine Unterkunft gebucht und ein paar Tage später ging es schon los. Eine Insel, 70.000 Bewohner und wir.


Klein aber fein

Untergekommen waren wir bei Dula und Franklin in San Luis einem kleinen Dorf von San Andres, direkt am Meer. Die Insel ist so klein, dass man mit dem Auto nur eine Stunde braucht, um von Nord nach Süd zu kommen. Das Taxi fuhr uns in 20 Minuten zu unserer Wohnung für die nächsten 5 Tage. Das ältere Ehepaar begrüßte uns freundlich und erklärte uns alles. Wir hatten ein schönes Zimmer, mit Balkon und Hängematte. Und da keine anderen Gäste im Haus waren auch viel Platz. Und unsere Sprachschule machte sich gleich bezahlt, denn Dula sprach nur spanisch. Besonders beim Kochen oder bei der Abstimmung von Organisatorischem war sie unser erster Ansprechpartner und es gab die ein oder andere witzige Situation, weil wir uns irgendwann nur anschauten und beide mit den Schultern zuckten und uns nur „No se…“, das bedeutet so viel wie „Keine Ahnung“, sagten und dabei lachten. Wir haben oft zusammen gefrühstückt und uns mit Franklin auf englisch und mit Dula auf einer Mischung aus spanisch, händisch und „googleübersetzerisch“ unterhalten. Die beiden hatten einen großen Erfahrungsschatz und auch den ein oder anderen Tipp für ein junges Ehepaar bereit. Dulas größter Wunsch war, dass wir ein Baby „Made in San Andres“ nach Hause bringen 🙂


Karibische Kolumbianer

Die Inselbewohner sind überwiegend karibischer Abstammung und auf der Insel wird historisch bedingt englisch gesprochen, Amtssprache ist aber auch hier Spanisch. Die Insel liegt auf der Höhe von Nicaragua und ist nur 120 km vom nicaraguanischen Festland entfernt, doch in einer Abstimmung vor vielen Jahren hat die Insel entschieden, dass sie zu Kolumbien gehören möchte. Das einzig kolumbianische waren die Sprache und die Touristen. Aufgrund der Entfernung und der Geschichte findet man auf der Insel eine ganz andere Kultur.

Eine völlig neue Kultur

Die ursprüngliche Sprache ist Creole, eine Mischung aus der indigenen und der englischen Sprache. Vorherrschender Musikstil ist Reggae und genauso waren auch die Bewohner. Sehr entspannt lässig und freundlich. Kein Wunder, dass die Kolumbianer so gerne hier her kommen und total stolz auf ihr Stück Karibik sind.
Anders als auf dem Festland sind die meisten Inselbewohner Baptisten. Die Religion hat zwischen der Insel und dem Festland immer wieder für Spannung gesorgt. Aufgrund seines Glaubens konnte uns Franklin von der ein oder anderen Benachteiligung in seiner Schulzeit berichten. Auch auf Regierungsebene gibt es derzeit einige Konflikte. Wir sind zufällig auf eine Demonstration gegen Militärangehörige gestoßen und haben erfahren, dass der von der Bevölkerung gewählte Minister der Insel nicht von der Regierung in Bogotá akzeptiert wurde und kurzer Hand eine militärische Führung eingesetzt wurde, obwohl es eine ordentliche Wahl gab. Dies führt aktuell zu viel Unmut auf der Insel. Eine kleine Insel mit sehr viel Geschichte, Franklin war sehr informiert und konnte uns viel berichten.

Erholung pur

Gleich am nächsten Tag ging es für uns an den Strand. Obwohl es morgens in karibischer Manier regnete wurde das Wetter am Nachmittag wunderschön. Der Strand war wohl nur 3 Minuten weit weg, Aber wo genau hatten wir nicht gleich verstanden und so fanden wir uns ein paar Minuten später im Garten von Einheimischen wieder, die uns zwar etwas verwundert, aber trotzdem freundlich anguckten. Schnell wieder weg und zurück auf die Straße, das war wohl nicht richtig. Kurz darauf waren wir auch schon am Strand und dieser war wirklich ein karibischer Traum. Weißer Sand, blaues Wasser und Palmen. Perfekt. Da wir uns in einem Dorf befanden war der Strand wenig besucht und wir hatten viel Platz für uns. Ganz ungewöhnlich für die Jahreszeit gab es jede Menge wilder Wellen und wir hatten unseren Spaß und unser Workout gleich mit. Dieser Tagesablauf gefiel uns gut und wir haben ihn gleich mehrmals wiederholt. 


Einmal um die Insel

DAS Fortbewegungsmittel der Insel ist der Roller und dank Dulas Kontakte hatten auch wir für zwei Tage einen und sind auf Entdeckungstour gegangen. Schließlich wollten wir den ultimativ besten Strand ausfindig machen. Hier duften wir auch das erste mal erleben, was ein Rollerstau ist 🙂



Norden

Im Norden ist die Hauptstadt und das Touristenzentrum. Am Strand war es ziemlich voll und wir hielten es nicht lange dort aus. Der Rest der Insel stellte sich als sehr entspannt und ruhig vor.

Westen

Der Westen ist nur dünn besiedelt und aufgrund der felsigen Küste verirren sich auch nur Taucher und Schnorchler her. Besonders West View ist ein bekannter Spot und so haben wir unser Schnorchelzeug eingepackt und haben die karibische Unterwasserwelt erkundet. Witzig war auch eine Rutsche die rund zwei Meter über dem Meer endete, sodass man mit ordentlich Speed ins Meer stürzte. Wir hatten jede Menge Spaß.

Süden

Im Süden ist die Küste auch rauer, aber nicht so steil abfallend wie im Westen und dadurch nur schwer zugänglich. Es wird gesagt, dass das Meer auf San Andres sieben Farben hat und diese kann man besonders im Süden wunderbar sehen. Einfach traumhaft.

Osten

Tja und was sollen wir sagen? Unser Hausstrand im Osten stellte sich doch tatsächlich als am schönsten heraus. Weicher, weißer Sand, ein breiter Strand und die herrlichsten Wellen. Wie so oft liegt das schönste direkt vor einem. Aber manchmal muss man losziehen um das zu entdecken.


Für Abends hatte Dula uns einen Tisch in dem beliebtesten und besten Restaurant der Insel reserviert. Wir waren gespannt. Der Fisch wurde in den höchsten Tönen gelobt. Unsere Erwartungen waren entsprechend groß. Ich hatte mir einen lokalen Fisch bestellt und Toli Lachs in tropischer Zubereitung und jeder Bissen war Genuss pur. Der Fisch war absolut frisch und grandios zubereitet. Und erst das Dessert. Mir läuft immer noch das Wasser im Mund zusammen wenn ich daran denke. La Regatta ist ein absolutes Muss auf der Insel.


Silvester auf karibisch

Auf San Andres ist es üblich, dass man an Silvester den Gottesdienst besucht und so das alte Jahr abschließt. Da der Gottesdienst auf Englisch stattfand, war klar, dass wir unbedingt mit wollten. Die Leute strömten aus allen Richtungen zur Kirche. Ganz in karibischer Manier kamen die Leute wann sie wollten. Der Gottesdienst begann um 21 Uhr, aber selbst um 23 Uhr kamen noch Besucher. Die Kirche war zum Bersten voll. Alle ganz schick, teilweise mit Abendkleidern, wir kamen uns echt underdressed vor.

Praise the Lord

Im Gottesdienst wurde viel gesungen, ein Chor aus jungen Leuten und ein Gospelchor sangen. Besonders gut hat uns gefallen, dass viele Beiträge von Leuten kamen, die es gar nicht so gut konnten, aber die einfach Gott loben wollten und deshalb nach vorne kamen und ein Lied sangen. Es war nicht perfekt, aber jeder hat applaudiert und freundlich auf die Schulter geklopft. Eine schöne Geste, die die Herzlichkeit dort unterstrichen hat. Auch gemeinsam wurde gesungen und da können wir deutschen Gottesdienstbesucher uns ordentlich etwas abschneiden. Jeder hat in voller Lautstärke und mit voller Leidenschaft mitgesungen, egal, ob schief oder perfekt. Es war ein Genuss und ein Segen. Der Gottesdienst endete mit, wie soll es anders sein 😉 Etwas Verspätung, um kurz nach zwölf und wir haben grade so noch die letzten Raketen mitbekommen.

Silvester im Kulturmix

Dula hatte nach kolumbianischer Art einen Schinken zubereitet und wir einen deutschen Kartoffelsalat und so haben wir das neue Jahr in buntgemischter Kultur gestartet. Die Tochter unserer „Ersatzeltern“ war dabei und ist danach noch feiern gegangen. Es ist üblich, dass man sich nach dem Gottesdienst gegenseitig nach Hause einlädt und noch bis sechs Uhr morgens zusammen sitzt und das neue Jahr feiert. So lange haben wir nicht durchgehalten, da es am nächsten Tag schon weiter ging 🙂

Veröffentlicht am: 4. Februar 2019 von: Elli

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