Tayrona – Regenwald trifft auf Strand

Tayrona – Regenwald trifft auf Strand

Nach sehr erholsamen und entspannten Tagen auf San Andres ging es für uns direkt mit dem Flieger nach Santa Marta. Eine quirlige Hafenstadt an der nördlichen Küste Kolumbiens. Santa Marta war aber gar nicht unser primäres Ziel. Hier hatten wir nur für fünf Tage unsere Homebase eingerichtet, um von hier aus die Umgebung zu erkunden und uns zu sortieren. Wie gesagt hatten wir Kolumbien nicht vorgebucht und so mussten wir uns erstmal einen weiteren Plan erstellen. Wir wussten noch nicht wo es uns hintreiben würde.  

Travel Blues

Wir waren inzwischen exakt 2 Monate unterwegs und zum ersten Mal machte sich so etwas wie Reisemüdigkeit breit. Vielleicht lag es auch am sehr bescheidenen Hotel oder der recht runtergekommen Umgebung oder dem lauten und hektischem Stadtleben, kolumbianischer Standard eben 😉 Auf jeden Fall hingen wir morgens total demotiviert und nicht gerade in bester Laune im Hotel. Der Gedanke daran, am nächsten Morgen im lauten und überfüllten Bus eine gute Stunde Richtung Tayrona zu fahren, war nicht gerade attraktiv. Die Nacht dort war aber schon gebucht und sehen wollten wir es dann doch gerne, schließlich hatten wir so tolle Sachen darüber gelesen und gehört.

Der Nationalpark

Der Nationalpark erstreckt sich über eine Fläche von 15.000 Hektar und liegt sich zwischen der Sierra Nevada und der karibischen Küste Kolumbiens. Der Park ist für seinen Artenreichtum in der Pflanzen- und Tierwelt bekannt. Den Nationalpark gibt es seit 1969 und ist benannt nach dem bis heute dort lebendem Volk der Tairona-Indianer.


Los geht‘s

Lustlos packten wir unsere Taschen, hatten aber auch aus diesem Grund entschieden, nicht wie geplant früh aufzustehen, sondern auszuschlafen und ruhig in den Tag zu starten.
Nach dem Frühstück haben wir uns dann in aller Ruhe zum Busbahnhof begeben. Dort herrschte, wie immer, ein wildes und lautes Durcheinander. Am Steig stehen viele „Busschreier“ und jeder ruft die Richtung des aktuellen Busses. Die meisten Busse haben auch ein Pappschild in der Windschutzscheibe mit der geplanten Richtung, also warum genau macht man das? Keine Ahnung. Wir glauben einfach, dass es der Kolumbianer nicht ertragen kann wenn es still ist:-) Der erste Bus nach Tayrona fuhr vor unseren Augen ab. Erst haben wir uns geärgert, aber keine fünf Minuten später kam der nächste Bus: Schnell rein und Sitzplätze sichern. Der Bus war völlig überfüllt und die Leute standen in der Tür. Das erstaunliche ist, die Verkäufer haben dennoch immer eine Möglichkeit gefunden die Ware anzupreisen. Für 7.000 Pesos (per 12/2018 rd. 2 €) pro Person ging es los. Und in die Lustlosigkeit mischte sich langsam Spannung auf das, was uns erwartete.

Lange Schlangen – lange Gesichter

Wir kamen endlich am Park an und konnten den Bus verlassen. Doch, wie nicht anders zu erwarten, herrschte am Eingang wieder das totale Chaos. Es war inzwischen Mittagszeit. Und immer noch stand eine riesige Schlange am Eingang. Wir waren so froh, dass wir online reserviert hatten, denn Leute, die bereits seit 6 Uhr morgens am Park waren, konnten nicht mehr herein, sondern maximal für den nächsten Tag reservieren. Es werden täglich maximal 6.900 Besucher eingelassen. Deshalb zu beliebten Zeiten unbedingt reservieren. Besonders die Kolumbianer selber lieben ihren Park und fahren an Feiertagen oder langen Wochenenden gerne hier her. Trotz der Limitierung ist der Tayrona Park sehr voll, besonders auf den beliebten Wanderwegen. Trotz unseres Tickets mussten auch wir eine gute Viertelstunde warten. Wie gesagt, es herrschte Chaos und keiner wusste so recht wohin mit sich.

Endlich im Park

Alle Formalitäten kosteten uns rund eine halbe Stunde und für 3.000 Pesos (per 12/2018 rd. 85 Cent) pro Person kann man sich von einem Transporter ins Innere des Parks fahren lassen. Dies empfehlen wir auch unbedingt, denn Auf dem Rückweg hatten wir noch etwas Power und dachten wir laufen die rund 3 km. Sie sind vollkommen unspektakulär und das Laufen zog sich wie Kaugummi. Grade nach zwei Wandertagen absolut nicht zu empfehlen und das Geld ist es auf alle Fälle wert.

Inzwischen war es 13 Uhr und eigentlich zu spät für die Wanderung zum Cabo San Juan, unser erstes Ziel. Die Lustlosigkeit wich immer mehr der Spannung und auch erste Funken von Euphorie waren zu spüren…


Auf dem Rücken der Pferde…

Während wir noch unentschlossen rumstanden wurden wir angesprochen, ob wir nicht Lust hätten mit Pferden zu reiten. 40.000 Pesos (per 12/2018 knappe 12 €) pro Person bis zum Cabo San Juan, der berühmtesten Bucht im Tayrona Park. Vorsichtig schauten wir uns die Pferde an und auf den ersten Blick sahen diese ganz gesund aus und so ließen wir uns überreden, denn es war die einzige Möglichkeit unser Ziel heute noch zu erreichen. Toli bekam ein stolzes Ross und ich ein kleines Maultier, glaub ich zumindest. Ich habe in meinem Leben, außer als Kleinkind mal auf einem Pony, noch nie auf einem Pferd gesessen. Ohne irgendeine Einweisung wurden wir in den Sattel gesetzt und losgeschickt. Hinter uns liefen zwei Pferdejungen her, meist indigene aus dem Volk der Tairona. Beide mit Peitschen ausgestattet, uns schwante nichts Gutes.


…liegt nicht immer das Glück der Erde

Mein armes Maultier lief hinten und hatte somit das “Glück” alle Schläge abzubekommen. Kein Wunder, dass es irgendwann in einer waghalsigen Aktion die drei Pferde vor mir überholte und sich an den Kopf der Gruppe setzte. Es war völlig verängstigt und zuckte zusammen, sobald sich einer der Führer näherte. Mehrmals rutschten die Pferde auf dem felsigen Untergrund aus, wir waren froh, dass nichts Schlimmeres passierte. Die Pferde werden auch als Lasttiere für den Transport des Gepäckes der Besucher und zur Versorgung der Campgrounds im Park genutzt. Diese wurden oft im hohen Tempo an uns vorbeigejagt. In einem für meinen Laiengeschmack viel zu schnellem Tempo für den unebenen felsigen Weg. Die Wege waren so eng, dass einmal mein Bein zwischen meinem Pferd und dem Gepäck eines anderen Pferdes geriet. Zum Glück gab es nur eine ordentliche Schramme. Zu allem Überfluss ging Tolis Pferd auch noch durch. Toli hatte keine Idee wie er das Pferd stoppen konnte und der hinterher rennende Bursche brüllte unverständliche spanische Anweisungen. Der andere Bursche schickte mich von meinem Pferd runter und galoppierte hinterher.

Ein heißer Ritt

Puh, da stand ich alleine, mitten im Park und konnte nur beten, dass Toli heile zurück kommt. Dieser saß derweil auf dem Pferd und hatte keine Idee, wie man ein galoppierendes Pferd stoppt. Verzweifelt fing er schon an Ausschau nach tiefhängenden Ästen zu halten, um sich einen davon zu schnappen und vom Pferd zu schwingen. Hinter ihm lief, inzwischen ziemlich weit weg, der Pferdebursche her und schrie unverständliche Sachen. „No se“ – „Keine Ahnung“, war das einzige was Toli zurück rufen konnte. Da er nichts mehr zu verlieren hatte zog er einfach mal an den Zügeln, keine Idee davon, wie ein Pferd darauf reagiert. Was ein Wunder, das Pferd wurde langsamer und blieb stehen. Instinktiv hatte Toli das Richtige getan, um das Pferd anzuhalten. Obwohl, instinktiv ist hier wohl das falsche Wort. Gott hatte unser Gebet erhöht und Toli diesen Gedanken gegeben. Die Erleichterung bei ihm war riesig, und bei mir erst, als nach wenigen Minuten Toli auf dem Pferd sitzend zurück kam. Wir waren so froh darüber, dass wir inzwischen fast das Ziel erreicht hatten.


Schnell am Ziel, aber…

Wir waren zwar in rund anderthalb Stunden am gewünschten Ziel, aber die Art und Weise hat uns nicht überzeugt. Es ist eine tolle Möglichkeit, grade für Leute, die nicht gut zu Fuß sind, auch den Park besuchen zu können, ohne Frage, aber allen anderen möchten wir empfehlen zu laufen. Der Umgang mit den Pferden hat uns erschrocken und ist auf den ersten Blick nicht erkennbar gewesen. Der Weg war wirklich abenteuerlich und obwohl Pferde geländegängig sind, unsere Meinung nach eine Zumutung. Man unterstützt damit zwar auch die traditionelle Lebensweise der indigenen Bevölkerung, die immer noch im Park wohnt, aber am Umgang mit den Pferden muss sich unseres Erachtens unbedingt etwas ändern.

Cabo San Juan

Der Tayrona Nationalpark liegt direkt an der Küste, hat jedoch an den meisten Stellen aufgrund der recht gefährlichen Brandung und Strömung ein Badeverbot. Früher war er einer der beliebtesten Wellenreitspots Kolumbiens im Park, doch dies ist inzwischen nicht mehr erlaubt. Erfahrene Wellenreiter erzählten uns später, dass die Surfer früher inoffiziell als Lifeguards dienten und reihenweise Schwimmer aus der Strömung retteten. Am Cabo San Juan gibt es allerdings gleich zwei Buchten in denen man schwimmen kann. Die Lifeguards dort waren ziemlich pingelig und die Pfeife halte in einem fort über den Strand, sobald jemand auf die umliegenden Felsen kletterte. Zwischen den beiden Buchten liegt die berühmte Hütte mit kostenlosen Hängematten, die nach dem Prinzip „first come first serve“ vergeben werden. Am Nachmittag waren noch ein paar frei. Liegt vielleicht auch an den angeblich vielen Mücken an dieser Stelle 😉 Wenn einen das nicht stört ist es sicherlich ein toller, naturnaher Spot um zu übernachten und den Wellen zuzuhören.


Der Rückweg

Wir hatten keine Idee, wie lange wir zu unserer Unterkunft brauchten und ließen die Seele baumeln und nach einigen Fotos und einer ausgedehnten Pause machten wir uns auf die Suche nach dem Weg. Zurück mussten wir wandern, reiten war keine Option mehr. Schilder sind nicht so das Ding der Kolumbianer und man sucht sich seinen Weg selbst oder fragt sich durch. Da unsere Unterkunft direkten Strandzugang hatte konzentrierten wir uns darauf am Meer entlang zu laufen, irgendwann würden wir schon auf unsere Unterkunft treffen. Ansonsten einfach durchfragen. Spanischkurs sei dank;-) Immer wieder blieben wir stehen, um die schöne Natur zu bestaunen und Fotos zu machen. Und so kam es, dass wir auf halber Strecke vom Sonnenuntergang überrascht wurden. Da wir es nun definitiv nicht mehr im Hellen schaffen würden, beschlossen wir diesen wundervollen Moment zu genießen und haben uns Zeit genommen für Fotos im inzwischen menschenleeren Park. Denn die Tagestouristen müssen bereits um 17 Uhr den Park verlassen. Nun war unsere Lustlosigkeit vollends der Freude über das Naturspektakel und der Dankbarkeit für diese großartige Natur gewichen.


Tappen im Dunkeln

Nach Sonnenuntergang dämmerte es noch eine halbe Stunde, dann aber wurde es gänzlich dunkel. Zu Beginn bestand der Wanderweg noch aus Holzstegen, allerdings hatten diese immer wieder Stufen. Doch dann wurde der Weg sehr uneben. Anstatt über Stege mussten wir nun über Steine und Wurzel wandern. Ohne Taschenlampe wären wir verloren, man käme nur tastend voran. Zum Glück hatten wir unsere Handys mit und so ging es im Laufschritt, Gott sei dank ohne Sturz, durch den Wald. Nach rund einer Stunde erreichten wir endlich unsere Unterkunft. Diese war schlicht, aber vollkommen ausreichend. Nach einer ordentlichen Portion Pasta Napoli und einer ausgiebigen Dusche ging es völlig fertig ins Bett.

Der frühe Vogel bekommt den Strand

Am nächsten Morgen waren wir früh wach und sind gleich an den Strand des Campingplatzes. Kein Mensch weit und breit. Herrlich. Die Sonne war gerade aufgegangen und tauchte alles in ein schönes und warmes Licht. Wir legten uns auf unser Handtuch und genossen die Natur und die Stille. Nur die Wellen krachten mit viel Getöse an den Strand. Auch an diesem Strand war Baden verboten. Aber gucken und genießen ist immer erlaubt und Wellen sind eins der beeindruckendsten Naturwunder. Wusstet ihr, dass man bis heute nicht sicher weiß. wie Wellen entstehen? Mit der Drohne entstanden noch ein paar schöne Aufnahmen von dem Morgen. Noch ein leckeres Frühstück und wir waren startklar.


20 kolumbianische Minuten

Wandertechnisch wollten wir es etwas ruhiger angehen lassen und fragten daher, was der nächste Strand sei. „La Piscina.“, sagte uns der Rezeptionist, „Das sind rund 20 Minuten zu Fuß.“ Hm, wir waren doch gestern dran vorbei gelaufen und das war noch vor dem Sonnenuntergang. Die 20 Minuten erschienen uns doch ganz schön wenig. Naja, was soll’s, er ist der Ortskundige… Geschlagene 1,5 Stunden später kamen wir dann doch noch am Strand an. Denjenigen, der diese Strecke in 20 Minuten macht, will ich sehen. Egal. Wir genossen das frische Wasser und das herrliche Wetter und nach ein paar Stunden machten wir uns auf den Weg zurück.

Alte Bekannte

Diesmal waren wir echt fast im Laufschritt unterwegs. Zwar knallte die Sonne vom Himmel, aber der Weg ist überwiegend im Wald und schattig und somit war die Hitze gut zu ertragen. Auf halber Strecke wurden wir von einer ziemlich langsamen Gruppe ausgebremst. Überholen ist hier nur bedingt möglich. Beim genauen hin hören stellten wir fest, dass die Mädels vor uns Deutsch sprachen. Die trifft man ja auch echt überall. Während wir also dem tiefenpsychologischen Gespräch der beiden gespannt lauschten, wanderten wir langsam hinterher. An einer etwas übersichtlicheren Stelle entdeckten wir, dass gleich fünf zur Gruppe gehören. So schnell kommen wir hier nicht vorbei. Plötzlich guckten wir uns an. Das Mädel ganz vorne ist doch…? Oder? Wir schauten ein zweites Mal und tatsächlich: Vor uns lief unsere Mitschülerin aus dem Spanischkurs, Sara. Was eine Überraschung.

Yeah, Affenzirkus

Die fünf erzählten uns, dass sie schon am Tag vorher da waren, um sechs Uhr morgens und nicht reindurften. Auch hatten sie sich im Park mehr oder weniger verlaufen und keinen einzigen der Hotspots gefunden. Blöderweise wurden ihnen auch noch falsche Informationen auf Nachfrage weitergegeben, sodass sie es nicht einmal an einen der Strände geschafft hatten. Noch während wir uns über unsere heutigen Erfahrungen und über all die erlebten Dinge der letzten Wochen in Kolumbien austauschten, blieb plötzlich jemand stehen. „Pscht, da oben…“ und tatsächlich, über uns turnten gleich mehrere Affen herum. Sie sprangen von Ast zu Ast und spielten in den Wipfeln. Eigentlich gibt es viele Tiere im Park, aber außer ein paar Vögeln und einem großen Leguan, für den wir leider die Kamera nicht parat hatten :-/ hatten wir bislang kein Tier entdecken können. Das war doch mal ein toller Abschluss. Wir verabschiedeten uns von unseren deutschen Wanderkumpanen und machten uns auf den Weg zum Ausgang. KO vom vielen laufen und beeindruckt von der schönen Natur ging es gut gelaunt und voller neuem Reisefieber zurück nach Santa Marta. Die Stadt wollten wir so schnell wie möglich verlassen und außer dem Marktplatz haben wir uns auch nichts mehr angeschaut, sondern haben uns für unsere Weiterreise vorbereitet. Kitesurfen stand an, dazu mehr im nächsten Blogpost.

Veröffentlicht am: 14. Februar 2019 von: Elli

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